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Roman Schmitt: Wahlkampf verbessern

Roman SchmittRoman Schmitt, Ludwigshafen

Die Wahlen in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt zeigen mit welche Mächten es Menschen, die für Weltoffenheit und Vielfalt eintreten, zu tun bekommen. Umso wichtiger, dass wir Piraten besser darin werden, unsere Ziele zu verfolgen und verständlich zu machen, was wir wollen.

Der Direktkandidat der Piraten in Ludwigshafen, Roman Schmitt, hat in seinem Wahlkreis Nr. 35 über 7% der Stimmen geholt. Grund genug ihn zu fragen, wie er das gemacht hat:

David Grade: Roman, du bist 31 Jahre alt, ledig, Softwareentwickler und offenbar ein guter Wahlkämpfer. Welche Faktoren haben zu deinem guten Abschneiden beigetragen?

Roman Schmitt: Hallo David, ich bin vor allem pragmatisch. Abstrakte Begriffe und Themen bringen uns meiner Meinung nach nicht weiter. Zu den Faktoren zählt sicherlich, dass wir ein Thema aufgegriffen haben, das hier in den nächsten Jahren eine sehr wichtige Rolle spielen wird, der Abriß der Hochstraße, von dem hier die ganze Region betroffen sein wird. Ein weiterer, schöner Faktor ist, dass Ludwigshafen eine offene, tolerante und bunte Stadt ist. Sprich weder AfD, noch Alfa sind hier mit Direktkandidaten angetreten.

DG: Wie war euer Wahlkampf organisiert?

RS: Mein Team war so organisiert, dass wir schnell agieren konnten. Wichtig war mit der Presse reden. Als Kandidat ist es wichtig, bei städtischen Veranstaltungen aufzutauchen und Gesicht zu zeigen. Die hier ansässigen Zeitungen bieten den Kandidaten zudem an, über eines ihrer Events zu berichten. Daher war es nur logisch einen Vortrag über den fahrscheinlosen ÖPNV zu organisieren.

Ich hatte den Vorteil, dass ich bereits mehrfach Kandidat war und daher einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht habe. Bei Interviews mit den zwei großen Zeitungen hier habe ich darauf geachtet, menschlich rüberzukommen, denn wir alle sind Menschen. Wir haben Hobbies, wir haben Orte, an denen wir uns gerne aufhalten, oder nutzen verschiedene Methoden, um uns zu entspannen. Diese Sachen habe ich in Interviews einfließen lassen.

Eine weitere Sache, die eine Rolle gespielt hat, war eine Podiumsdiskussion zum Thema Bildung. Die war nicht speziell an Direktkandidaten gerichtet, weshalb wir entschieden haben, dass nicht ich als Kandidat, sondern eine Piratin, die Lehrerin ist, uns dort vertritt. Die Rückmeldungen, die wir hier erhalten haben, waren allesamt positiv und wir konnten gleichzeitig unser Thema, dass wir Experten zu Expertenthemen haben wollen, unterbringen.

DG: Auf welche Themen habt ihr euch fokussiert?

RS: Da hier das vorherrschende Thema der Abriß der Hochstraße ist, war das mein absolutes Hauptthema. Natürlich hätten wir uns auf den Verlauf des Planungsprozesses stürzen und auf Beteiligung und Transparenz herumreiten können. Das war jedoch durch. Es bringt nichts, in der Vergangenheit zu bleiben. Ein Wahlkampf muss zukunftsorientiert sein. Daher war der fahrscheinloser ÖPNV das Thema der Wahl.

Anderen Piratenthemen haben wir hierbei zwar erwähnt, aber nicht groß aufgebaut. Einzig die Themen Freifunk und Breitbandausbau haben wir bewusst eingefügt. Das haben wir gemacht, weil wir hier mit dem Freifunkverein Flüchtlingsheime mit Internet versorgen. Das passte auch gut ins Konzept für den symbolischen Preis der Kulturreihe „offene Welten“, für den ich den ansässigen Freifunkverein empfohlen habe.

Da ich Mitglied im Kulturausschuss bin, habe ich auch das Thema Kultur und Stadtverschönerung angesprochen und das Problem des Unterrichtsausfalls angesprochen. Generell haben wir geschaut, welche Themen konkret (be)greifbar sind. Themen wie Datenschutz, Transparenz und so weiter haben wir quasi gar nicht bedient, da diese zu abstrakt sind, sondern uns darauf fokussiert, was die Leute hier vor Ort wirklich betrifft.

DG: Welche Rolle haben Wahlkampfmittel und Bebilderung gespielt?

RS: Bebilderung hat fast keine Rolle gespielt. Wir haben nur wenige Plakate quasi auf den letzten Drücker aufgehängt. Uns war wichtiger, Präsenz bei Veranstaltungen zu zeigen. So konnten wir auch sagen, dass wir diese Geld- und Materialschlacht, die letztlich auch der Umwelt schadet, nicht mitspielen. Bei Photoshootings mit der Presse haben wir auf Natürlichkeit geachtet, dass ich als Mensch rüberkomme. Für unser Material haben wir darauf geachtet, dass wir themenbezogen arbeiten. Sprich Orte für Kultur, ÖPNV, Fahrräder, Hochstraße gesucht und dort Bilder gemacht. Hier mal ein Beispiel von unserem ÖPNV Vortrag.

DG: Du sagst, dein Vorgehen im Wahlkampf sei nur teilweise kopierbar. Welche Teile können andere kopieren? Was rätst du Piraten, die einen besseren Wahlkampf machen wollen?

RS: Unser Wahlkampf ist nur teilweise kopierbar, weil nicht jeder Ort ein Thema von solcher Tragweite hat, wie wir es hier haben. Kopierbar ist aber sicherlich, dass man statt „das sind überall unsere Piratenthemen und mit denen treten wir jetzt an“ sich hinsetzt und den Gedanken „Piratenthemen“ über Bord wirft.

Wir haben geschaut, welches Thema ist für die Menschen hier am wichtigsten. Das war in unserem Fall die Hochstraße. Wir haben überlegt, was könnte man daraus machen. Da die Entscheidung bereits gefallen war, wollten wir einen Ausblick in die Zukunft geben. Mit der Vergangenheit gewinnt man keinen Blumentopf. Anhand dieser Vorgehensweise können wir sicherlich auch anderswo viel erreichen. Einfach schauen, was die Menschen vor Ort interessiert, die Presse verfolgen, oder auch mal in Vereinen und Bürgerinitiativen vorbeischauen und auch Köpfe zeigen. Das Konzept „Themen statt Köpfe“ würde ich persönlich als gescheitert ansehen. Menschen wollen sich mit Menschen identifizieren und nicht mit abstrakten Themen.

DG: Herzlichen Dank für das Gespräch. Hier noch Romans Kandidatenseite.

Das Interview führte David Grade, Mitglied der Piratenpartei Dortmund und ab 2014 für die Piraten in der Bezirksvertretung Innenstadt-Nord.

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