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Die „Digitalen Konquistadoren“ betreten #Neuland

Der Inhalt der Artikel gibt die Meinungen der einzelnen Autoren wieder und ist keine offizielle Verlautbarung der Piratenpartei.

Der im Netz meist rezipierte Satz des heutigen Tages …

ist vermutlich Angela Merkels „Das Internet ist für uns alle Neuland“. Natürlich lachen wir „Digital Natives“ über diese Aussage laut und lange.

Dabei ist diese Aussage in einem anderen Kontext durchaus interessant. Kulturgeschichtlich ist das Medium Internet tatsächlich gerade erst geboren. Wir alle nehmen an dieser Entwicklung teil, und wie bei allen kulturellen Revolutionen der Menschheitsgeschichte sind wir noch dabei, mit uns selbst auszumachen, was alles in Ordnung ist und was nicht. Die längst noch nicht gelösten Fragen des Urheberrechts mit der Freiheit der Nutzer auf der einen und der Erwartung von Contentproduzenten nach fairer Bezahlung auf der anderen Seite, sowie die sich ständig verändernde Bedeutung von Privatsphäre zeugen offenen Fragen. Auch wir „Digital Natives“, die wir – zurecht – die Deutungshoheit in diesem Land beanspruchen, müssen zugeben, dass wir selbst noch nicht alle gesellschaftlichen Grenzen Neulands benennen können. Wir können definitiv von ihrem Input profitieren, in dem wir gemeinsam diese Grenzen erkunden. Und das ist das Stichwort: gemeinsam!

Auch auf eine andere Weise ist Merkels Analogie des Neulands sehr passend

Wenn für Angela Merkel das Internet „Neuland“ ist, sind wir die „Natives“, die Ureinwohner … und SIE, die Politiker, die Wirtschaftsbosse, die Angst-Profiteure benehmen sich nicht wie „Digital Immigrants“, sondern wie „Digital Conquistadores“. Sie kommen in unser Land, ignorieren unsere Regeln, treten unsere Traditionen mit Füßen, nehmen uns unsere Freiheit weg.

Gleichzeitig versklaven sie uns, denn natürlich erwarten sie von uns, dass wir in ihrem komplett überwachten und durchkommerzialisierten „Cleanternet“ weiterhin kreativ sind, weiterhin tolle StartUps gründen, weiterhin Steuern in ihre Kassen spülen und weiterhin dafür sorgen, dass sie so schick und einfach einkaufen können.

NIEMAND kann heutzutage mit gutem Gewissen noch sagen, dass Spanier, Portugiesen, Briten, Franzosen, Holländer und auch Deutsche sich korrekt verhalten haben, als sie dutzende bestehende Kulturen in der „neuen Welt“ vernichtet, ihren Bewohnern ihre Sitten, Bräuche und Gesetze aufgezwungen und ihre Schätze geraubt haben.

Liebe Frau Merkel, liebe Alt-Politiker, liebe Sicherheitsfanatiker … an den Folgen, die die verbrecherische Kolonisation der heute so genannten Dritten Welt verursacht hat, leidet die Weltgemeinschaft heute noch, Tag für Tag.

Vielleicht denken Sie alle ja mal darüber nach …

Text: Bernd Juchems aka @bombasstard

Ein Kommentar

  1. 1
    Uwe Martinschledde

    Hallöchen Bernd,
    sehr treffende und einleuchtende Bildmetapher.

    Bei dem Begriff Revolution fällt mir immer der Hinweis ein, das diese ihre Kinder frisst!
    („La révolution dévore ses enfants“ Georges Danton –Täter u. Opfer–)

    Uwe

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