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Bild zeigt Magdalena Zenglein und Frank Rupprecht auf einer Straße Magdalena Zenglein und Frank Rupprecht

Dortmund baut Ghettos

Sozialer Wohnungsbau ist ein großes Thema in Dortmund. Frank Rupprecht, Pirat in der Bezirksvertretung Innenstadt-Ost, und Magdalena Zenglein, Vorstandvorsitzende der Piraten Dortmund haben sich das mal genauer angeguckt.

David Grade: Warum beschäftigt Euch das Thema sozialer Wohnungsbau?

Magdalena Zenglein: Ich bezeichne mich häufig als Mietpreisflüchtling, weil ich 2008 von München nach Dortmund gezogen bin, um mir mein Studium überhaupt leisten zu können. Mittlerweile arbeite ich Vollzeit an meinem Doktor, werde jedoch nur für 20 Stunden pro Woche bezahlt. Deswegen bin ich immer noch auf günstigen Wohnraum angewiesen. Leider hat sich seit 2008 die Wohnraumsituation in Dortmund verschärft. Ich bekomme über andere Studenten regelmäßig mit, dass sie inzwischen länger nach bezahlbaren Wohnungen suchen müssen, schlechtere Wohnungen in Kauf nehmen müssen oder mehr zahlen.

Frank Rupprecht: Anlass war, dass die letzten Flächen in der Innenstadt Ost für den Wohnungsbau verplant werden. Abgesehen vom TÜV-Gelände in Körne gab es zu den Baugebieten am Südbahnhof (Kronprinzenviertel), an der Sckellstraße und Deggingstraße bereits die ersten Bürgerinformationsveranstaltung. Aufgeschreckt hat mich dann das Gerücht, dass die DSW21 an der Deggingstraße gerne das Gelände ohne den vom Rat beschlossenen Anteil von 25% sozialen Wohnungsbau entwickeln wollte. Dieses sollte an anderer Stelle außerhalb der Innenstadt kompensiert werden.

David Grade: Frank, du hast dir in der Innenstadt-Ost das Thema sozialer Wohnungsbau angesehen. Was ist dir aufgefallen?

Frank Rupprecht: Aufgefallen ist mir, dass wir in der Innenstadt-Ost im Gegensatz zu -West und besonders zu -Nord in weiten Teilen nur 0-2% sozialen Wohnungsbau haben. Die restlichen Flächen liegen zwischen 2 und 10%. Die Daten sind aus dem Wohnungsmarktmonitoring von 2014 und damit steht zu befürchten, dass sich die Lage eher verschlimmert als verbessert hat.

David Grade: Magdalena, du hast das Thema für ganz Dortmund graphisch aufgearbeitet. Wie ist der soziale Wohnungsbau verteilt?

Magdalena Zenglein: Sozialer Wohnungsbau wird in Dortmund nur sehr punktuell betrieben. Manche Stadtbezirke sind fast völlig davon ausgenommen, während wir an anderen Stellen auf einen Anteil von bis zu 70% kommen.

David Grade: Welche Probleme entstehen aus dieser Ungleichverteilung?

Frank Rupprecht: Schaut man auf die Karte, dann sieht man wo die Schwerpunkte bisher gesetzt wurden. Wenn man sich dann die Namen der Stadtteile anschaut, dann stößt man auf die Namen der sozialen Brennpunkte in Dortmund wie Clarenberg, Nette, Scharnhorst Ost Dorstfeld usw.

David Grade: Magdalena welche Lösungen stellt ihr euch vor?

Magdalena Zenglein: Ich glaube hier kann Frank die besseren Antworten liefern, aber was ich dazu sagen würde: Grundsätzlich sollte der soziale Wohnungsbau vor allem in den Stadtgebieten stattfinden, in denen sich der Anteil unter dem städtischen Durchschnitt befindet. Eine gleichmäßigere Verteilung des sozialen Wohnungsbaus sorgt auch führ eine größere Akzeptanz. Hier steht vor allem die DOGEWO21 in der Pflicht. Zusätzlich sollte geprüft werden, in wie weit private Investoren weiter gefördert oder in die Pflicht genommen werden sollten.

Frank Rupprecht: Was wir auf keinen Fall wollen sind Verhältnisse wie in Paris in den Banlieue mit hoher Kriminalität und hohem Drogenkonsum. Wir in der Innenstadt Ost könnten gut noch etwas mehr sozialen Wohnungsbau vertragen. Besonders das Baugebiet an der Deggingstraße, das im Stadtbezirk mit dem Namen „Westfalendamm Nord“ liegt und unter 2% Sozialwohnungen ausweist, böte sich an, hier mit z.B. 50% einen Ausgleich zu schaffen. Daher fände ich es gut, wenn die DOGEWO21 dieses Gebiet bebauen würde. Lukrativer ist für die DSW21 natürlich das Gelände an einen privaten Investor zu verkaufen und dem Käufer durch Einflussnahme auf die lokale Politik den sozialen Wohnungsbau zu ersparen.

Ein Kommentar

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    Schlunder Wolfgang

    Sehe als Pirat zwei gravierende Probleme. Erstens, keinen bezahlbaren Wohnraum. Zweitens, in Vollzeit an der Promotion zu arbeiten, und dafür jedoch nur 20 Stunden pro Woche bezahlt zu werden. Menschen die sich entschieden haben für die Wissenschaft zu arbeiten schmeißen wegen der oben genannten Dinge hin und suchen sich einen Job. So sieht für mich als Pirat nicht die Zukunft aus.

Was denkst du?