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Dortmunder PIRATEN im Interview: Jürg Aschmann

Juerg_AschmannJürg Aschmann

Hinter den Strukturen und Inhalten der Piratenpartei Dortmund stehen viele Menschen, die sie unterstützen, schaffen, weiterentwickeln und vermitteln. Einer dieser Menschen ist Jürg Aschmann.

David Grade: Jürg, du bist 59 Jahre alt und betreibst einen Internethandel für Nahrungsergänzungsmittel www.kreatin.de, was möchtest du noch über dich erzählen?

Jürg Aschmann: Ich bin geschieden und habe vier erwachsene Kinder. Das Jurastudium habe ich bis zum Volljuristen abgeschlossen, habe aber nie als Jurist gearbeitet. sondern verschiedene Verkaufstätigkeiten ausgeübt. Bis Ende 2014 war ich ehrenamtlich tätig. Dreizehn Jahre lang in einem Tischtennisverein als Jugendwart und Trainer und vier Jahre auf der Verbandsebene als Beauftragter für Vereinsentwicklung im TT-Kreis Lenne-Ruhr. Aus gesundheitlichen Gründen habe ich diese Ehrenämter weitergegeben.

DG: Was sind deine Gründe bei den Piraten zu sein?

JA: Im April 2012 wollte ich nicht länger nur zusehen, was in der Politik so geschieht, sondern versuchen, meine Vorstellungen für eine Veränderung einzubringen. Die „Gesundheitspolitik“ war und ist bis heute in Wahrheit eine „Krankheits-Kosten- Verteilungspolitik“. Ich hatte die Vision, die Gesundheit der Menschen in der Mittelpunkt der Politik zu rücken. Die bestehenden Alt-Parteien mit ihren verkrusteten Strukturen zur Änderung ihrer Haltung zu bewegen, erschien mir aussichtslos. Da bot sich an, mich den Piraten anzuschließen, die Offenheit für neue Ideen und Transparenz zu ihren Kernkompetenzen zählen.

DG: Gefällt dir etwas besonders bei den Piraten?

JA: Die zeichnen sich besonders dadurch aus, dass jedes Mitglied, überhaupt jeder der interessiert ist, die Möglichkeit hat, seine Ideen mit den Mandatsträgern direkt und persönlich zu besprechen. Das hat sich bis heute nicht geändert.

DG: Woran merkt man das ganz konkret?

JA: Die Landtagsabgeordneten sitzen in lockerer Runde beim gemeinsamen Besprechungs-Frühstück zusammen mit den Ratsmitgliedern und den einfachen Piraten wie mir. Es ist immer wieder zu spüren, dass es allen um die Sache der politischen Veränderung geht und nicht um Ämter oder Selbstdarstellung.

DG: Die Piraten haben den Ruf eine Nerdpartei zu sein. Was ist an dir nerdig?

JA: Computer sind in meinen Augen nur nützliche Gehilfen, für deren Innenleben ich mich nicht interessiere. Insofern bin ich sicher kein typischer Nerd. Wenn man aber diesen Begriff weiter fasst, finde ich mich schon wieder. Bei allen aktuellen politischen Themen versuche ich die grundsätzlichen Fragen des Lebens im Augen zu behalten. Dieser eher philosophische Ansatz macht es mir schwer, meine Ideen anderen verständlich zu machen und meine grundsätzlichen Hypothesen in eine praktische Umsetzung einzubringen. Insofern könnte man mich zu recht als einen Nerd unter den Piraten bezeichnen.

DG: Was ist so eine grundsätzliche Hypothese, kannst du mir ein Beispiel geben?

JA: Für mich ist es in der Politik wie in der Mathematik: Es hat wenig Sinn, mit den in einer Textaufgabe gegebenen Zahlen alle möglichen Berechnungen anzustellen, bevor man erfasst hat, welche Frage zu beantworten ist und wie die Zahlen mit der Fragestellung in Beziehung stehen. Insofern werden auch Nerds gebraucht, um jenseits des „Tagesgeschäfts“ neue Visionen zu entwickeln. Neue Ideen und Haltungen werden von einer Mehrheit erst akzeptiert, wenn sie schon lange in der Welt erprobt worden sind. Die politische Mehrheit übernimmt Neues nur, sie wird aber nichts Neues hervorbringen. Jenseits von parlamentarischen Mehrheiten sehe ich deshalb die Rolle der Piraten auch in Zukunft darin, neue Ideen, wie beispielsweise das BGE, in die Gesellschaft zu tragen und zu testen, bevor sich Parlamente mit dieser Zukunftsvision ernsthaft befassen.

DG: Welche lokalpolitische Begebenheit bewegt dich aktuell am meisten?

JA: Die RWE-Aktien der Stadt Dortmund werden zum Problem. Nicht nur ihr Wert schmilzt immer mehr zusammen – im letzten Jahr hat sich die Aktie auf aktuell 11,30 EUR noch einmal halbiert – auch die bisher regelmäßig fließende Dividendenausschüttung könnten 2016 auf Null sinken und die Haushaltslage weiter verschärfen. Damit steht der Beteiligung an Atom- und Kohlestrom nicht einmal mehr ein finanzieller Vorteil gegenüber. Auch wenn die Probleme aktuell noch bilanztechnisch kaschiert werden können, werden sie auf dem Weg zu einer Energiewende in Dortmund zu einer Lose-Lose-Verbindung der Stadt. Haushaltsprobleme wirken sich letztlich auf alle Ausgaben aus, die die Stadt noch freiwillig erbringt.

DG: Danke für das Gespräch.

Das Interview führte David Grade, Mitglied der Piratenpartei Dortmund und von 2014-2020 für die Piraten in der Bezirksvertretung Innenstadt-Nord.

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