Die Webseite der Piratenpartei Dortmund

Ein möglicher Weg der Piraten

Der Inhalt der Artikel gibt die Meinungen der einzelnen Autoren wieder und ist keine offizielle Verlautbarung der Piratenpartei.

Die Wahl ist vorbei und die Piraten haben 2,2% der gültigen Wählerstimmen auf sich vereinigen können. Gott sei dank!

Es tut mir natürlich leid für all die Piratinnen und Piraten die sich im Wahlkampf den Arsch aufgerissen haben, diese sind sicher enttäuscht und erschöpft. Und ich verlange auch keine personellen Konsequenzen, denn das haben wir kollektiv verbockt.

Statt dessen bin ich der Meinung: Endlich. Endlich können wir uns wieder mit uns selbst beschäftigen (und nicht mit dem was die Medien über uns berichten).

Das mediale Interesse ist abgekühlt, die Karawanen ziehen weiter, die nächsten Wahlen stehen erst 2014 an (das nächste große Ding ist die Europawahl Ende Mai). Wir können also die Zeit nutzen und endlich mal ein paar Dinge innerhalb der Partei in Ordnung bringen:

  1. Lasst uns endlich das rechte Gesocks rauswerfen.
  2. Und gleich alle mit, die sich vor das rechte Gesocks stellen.
  3. Auch wenn es die 500. Erklärung ist: wir müssen klar stellen, dass rechtes Gedankengut nichts in dieser Partei zu suchen hat. Unsere Grundwerte sind klar, wir müssen sie vermitteln.
  4. Wählt tolle Menschen in Ämter und Listen. Vor allem wählt Diversität und nicht euer eigenes Spiegelbild. (Und ruhig auch mal Menschen, die einfach nur toll unsere Positionen vermitteln können, weil sie charmant, lustig und großartig sind.)
  5. Es braucht keine Entscheidung zwischen Kernthemen und Vollprogramm, diese Entscheidung haben wir schon lange mit den Füßen getroffen. Was wir brauchen ist, dass wir zeigen müssen wie wir das Vollprogramm aus unserem Grundsatzprogramm ableiten. Das z.B. Datenschutz für Arbeitnehmer bedeutet, dass es keine Kameras in Umkleidekabinen gibt. Konkrete Forderungen so formulieren, dass sie verständlich sind. Unser Wahlprogramm lässt sich aus dem Grundsatzprogramm ableiten, und dass müssen wir zeigen. Das Überwachung nicht nur das Internet trifft (auch wenn etwa 76% der Deutschen das Internet nutzen, sie fühlen sich offensichtlich nicht betroffen), sondern dass es auch darum geht, was der Arbeitgeber darf und wohin die Kamera vom Nachbarn zeigen darf. Was passiert mit den GPS Daten des Autos und warum ist elektronische Überwachung von Kindern ein Problem. Wir sind zu sehr mit unserer eigenen Welt beschäftigt um diese Themen auf Welt der restlichen Bevölkerung runter zu brechen.
  6. Wir müssen aufhören Popcornpiraten zu lesen. Ja, dass ist lustig und man kann sich so herrlich aufregen. Nichts geht über eine Gesichtspalme am morgen um wach zu werden. Aber es ist destruktiv und trägt nichts bei zu Verbesserung der Grundstimmung. Manchmal kann es hilfreich sein Tweets und Hashtags in den richtigen Kontext zu setzen, aber im großen und ganzen beteiligen sich Leute an Diskussionen die gar nicht betroffen sind. Statt dessen sollten wir interne Schlichtungsstellen einrichten und stärken. Viele der Konflikte haben einen lokalen Bezug und entstehen weil noch ganz andere Dinge unausgesprochen bleiben. Und wer was im Fernsehen gesagt hat ist doch nicht mehr wichtig. Hier sollten andere Mechanismen greifen, warum ein Auftritt gut war und warum nicht muss man analysieren, aber doch nicht die ganze Partei. Das sollten Leute in einer Runde vor Ort tun, konstruktiv und so. Es ist nämlich viel einfacher für alle Beteiligten, wenn keine Gräben aufgerissen und vertieft werden. (Und natürlich kann jeder so viele Blogartikel und Tweets schreiben wie er lustig ist, aber das ist nicht immer der beste Weg um wirklich was zu ändern.)
  7. Lasst die Verschwörungstheorien sein. Auf einem Parteitag bietet eine Gruppe veganes Essen an? Ihr findet das doof? Schön, geht an dem Stand vorbei und kauft euch ein Schnitzelbrötchen, hält euch niemand von ab. Aber das eine Gruppe versucht es allen Leuten zu ermöglichen auf dem Parteitag etwas zu essen zu kaufen (sei es wegen einer selbst auferlegten Diät oder schlicht wegen Unverträglichkeiten), dann ist das nicht das Ende der Welt. Es wird auch weiterhin Schnitzelbrötchen zu kaufen geben, Nestle geht nicht Bankrott und der Aldi um die Ecke wird immer noch Bier in Plastikflaschen verkaufen. Das ist kein Zeichen von Unterwanderung der Partei durch die Grünen, kein Zeichen von einer Verbotekultur, das sind nur eure Ängste die an eurem Weltbild rütteln. (Und wer weiß, vielleicht merkt der ein oder andere ja, dass man für Eiersalat gar keine Eier braucht. Wär doch mal was.) Und das sage ich obwohl ich nicht mal Vegetarierin bin, weil als politische Person halte ich es für wichtig auch Positionen zu fordern und zu verteidigen die mich nicht (direkt) betreffen.
  8. Hört auf Gruppen und Personen anzugreifen. Ihr findet die Meinung doof, fein, widersprecht und widerlegt bis euch die Finger bluten. Aber das ist kein Grund jemandem im Internet zu beleidigen, anzugreifen, zu drohen, lächerlich zu machen oder zu diskreditieren für Geschlecht, sexuelle Orientierung, Herkunft oder Religion. Vor allem nicht, wenn nichts davon Teil der ursprünglich geäußerten Meinung ist.
  9. Bevor ihr euch zu einem Gate äußert, beantwortet kurz folgende Fragen:
  • Bin ich gemeint?
  • Wurde das was ich sagen will, vielleicht schon gesagt?
  • Kann ich vielleicht mehr bewegen, wenn ich mit jemandem persönlich spreche?
  • Könnte meine Meinung als beleidigend|diffamierend|überflüssig angesehen werden?
  • Ist dieser Tweet wirklich nötig?
  • Trage ich zur Lösung bei oder bin ich Teil des Problems?
  • Interessiert das irgendwen?
  • Reicht es nicht, wenn ich das meinem Hamster erzähle?

Überwindet eure Angst.
Angst vor fremden Meinungen, Angst vor neuen Methoden, Angst vor Technologie.
Ja, neue Technologien können missbraucht werden.
Ja, es kann schief gehen.
Ja, diese Idee könnte dumm sein, oder uns irgendwann schaden.
Aber es muss nicht so sein. Wir können es nur versuchen. Neue Politik kann man nicht machen wenn man Angst vor dem eigenen Schatten hat.

Also: Seid mutig und offen für neues. Stärkt guten Leuten den Rücken, stellt euch vor die, die angegriffen werden (auch wenn ihr nicht deren Meinung seid). Probiert neues, denkt unkonventionell. Lasst euch nicht unterkriegen, wir haben nichts zu verlieren und alles zu gewinnen.

Und denkt darüber nach was der Lauer gesagt hat, dass könnte gut werden und vor allem kann es funktionieren.

Denn 962.946 Menschen haben uns ihre Stimme gegeben, dass dürfte unsere Stammwählerschaft sein. Diese Menschen müssen wir motivieren und aktivieren unsere Positionen zu vertreten. Das sind die Multiplikatoren die wir für zukünftige Wahlerfolge brauchen (wenn Wahlen das sind, was wir gewinnen wollen).

Text: Manon Heiland aka @Nonam_e

4 Kommentare

  1. 1

    Punkte 1 – 3 sehe ich aktuell nicht als akutes Problem. Die paar rechten Spinner, die noch ab und an auftauchen bekommen (soweit ich das mitbekommen habe) direkt ausreichend Gegenwind
    Punkt 4: Definiere „toller Mensch“. Mir wäre es lieber wenn die Leute lernen würden, damit zu leben, dass nicht jeder der es auf eine Liste schafft ihr Wunschkandidat sein kann.
    Punkt 5: D’accord
    Punkt 6 – 9: Hätte man auch mit „seid lieb zueinander“ zusammenfassen können.

    Klar müssen wir weiter an unserem Innerparteilichen Umgang miteinander arbeiten, am besten so lange bis auch der letzte Begriffen hat, dass man nicht über jedes Stöckchen springen muss dass einem von DerPresse, DenPopcornpiraten, DenFems, DenMaskus, WemAuchImmer hingehalten wird.

    Mindestens ebenso wichtig ist imho aber, dass wir uns als Gesamtpartei langsam wieder darüber klar werden, was wir eigentlich wollen und wieder eine gemeinsame Vision/Mission entwickeln.
    Wo liegen unsere Stärken, wo unsere Schwächen? Und sieht das die Außenwelt genau so?
    Sollen wir wirklich unser Wirtschaftsprogramm bewerben, wenn uns dort sowieso keine Kompetenzen zugesprochen werden?
    Sollten wir auf Grüne Themen setzen, wenn das Themenfeld von den Grünen gebucht ist?

    Wir werden sicher nicht gewählt werden, weil wir uns untereinander wieder alle wieder ganz doll lieb haben, sondern dann, wenn wir glaubhaft vermitteln können, dass wir alle gemeinsam ein Ziel verfolgen und den Wähler auch davon überzeugen können, dass er will, dass wir dieses Ziel erreichen.

    Welches Ziel das sein (und ob es eins geben wird) werden die nächsten Monate zeigen. Für mich wäre es sowas wie „transparenter Staat ohne Überwachung und Repressionen“.

    • Doch, das mit den Rechten ist ein Problem. Nicht weil die wirklich was zu sagen hätten, aber die binden Kräfte. Jedes mal widersprechen ist anstrengend und die greifen immer wieder Leute an. Bestimmten Gegenwind empfinden die als Auszeichnung und die brüsten sich noch damit.
      Und es geht darum klare Kante zu zeigen. Der SPD wird auch immer mal wieder vorgeworfen das Sarrazin noch Mitglied ist. Es unterminiert einfach das starke Engagement gegen Rechts innerhalb der Partei wenn bestimmte Leute geduldet werden und es ist ein Schlag ins Gesicht all jener Piraten die von diesen angegriffen wurden.
      Punkt 4 wollte ich nicht direkt definieren. Ich hatte dabei Menschen wie Afelia oder Kattascha im Kopf die unsere Positionen im Fernsehen super rüber bringen. Und Menschen wie Toso die super auf Stammtischen rüber kommen. Klar brauchen wir auch Menschen denen die Kompetenz aus allen Poren tropft, aber die machen sich nicht immer gut. Ich finde einfach hier scheitert der Ansatz mit neuer Politik, wir brauchen leider charismatisches Spitzenpersonal. Aber meine Definition von tollen Menschen muss halt nicht für alle gelten.

      Man muss nicht lieb und flauschig zu einander sein, aber fair. Nur weil man anderer Meinung ist muss man sich nicht die Köpfe einschlagen, man muss aber auch nicht gleich heiraten. Mehr Professionalität im Diskurs, dass ist das Ziel.

      Das mit den Themen ist das wichtigste und wie ich unter 5 geschrieben habe bin ich der Meinung, dass die Themen Vorrang haben, die sich aus unserem Grundsatzprogramm ableiten lassen. Die anderen Themen sind sicher wichtig um Fragen zu beantworten, aber das politische Ziel sollte sein unsere Kernthemen einer breiten Öffentlichkeit zu vermitteln.
      Meiner Meinung nach ist es nicht nötig Kompetenzfelder anderer Parteien massiv zu bearbeiten. Wir sind eine Netz- und Datenschutz Partei und wir stehen für eine humanitäre Politik, dass sollten wir bearbeiten.
      Aber du hast natürlich völlig recht das dies eine kollektive Entscheidung sein muss, ich weiß nur nicht, wie die Partei diese treffen kann.

      Wie immer die Zukunft auch aussieht, wir müssen das Kindergartenimage loswerden um erwachsen zu werden. Sonst ist alles für Nüsse.

  2. 2

    Das was Manon sagt. (Ich werde aber weiterhin heimlich Popcornpiraten lesen)

  3. 3

    Das ist ja alles ganz lieb und nett geschrieben. Insbesondere das mit den Stöckchen vom Christian finde ich ausgesprochen interessant. Kurioserweise steht da im Kommentar mehr konkretes als in dem Geschwurbel vom Haupttext.

Was denkst du?