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Christian Gebel

Pirateninterview: Christian Gebel

Hinter der Piratenpartei Dortmund stehen viele Menschen, die sie unterstützen, weiterentwickeln und vermitteln. Einer dieser Menschen ist Christian Gebel.

David Grade (DG): Christian, du bist für die Piraten im Dortmunder Stadtrat. Was möchtest du zu dir erzählen?

Christian Gebel (CG): Meine Oma hat immer gesagt, ich mache „irgendwas mit Computern“. Damit hat sie noch immer Recht und es befremdet mich, mit meinem Verständnis für Informationstechnologien zu den Ausnahmen in der Kommunalpolitik zu gehören. Da bin ich ein Nerd.

DG: Die Piraten haben den Ruf eine Nerdpartei zu sein.

CG: Ein Nerd ist ja jemand, der so tief in ein für ihn zu diesem Zeitpunkt interessantes Thema eintaucht, dass andere ihm nicht mehr folgen können – weder inhaltlich noch in Bezug auf die Begeisterung. Was mich vielleicht nerdiger erscheinen lässt als … sagen wir: einen Fußball-Nerd, ist der Umstand, dass die Themen, für die ich mich begeistere, die meisten anderen Menschen überhaupt nicht interessieren. Vielen ist aber auch schon eine mehr als nur oberflächliche Beschäftigung mit einem Thema suspekt. Auf solche Menschen muss ich natürlich wie der Prototyp eines Nerds wirken. Vielleicht fühle ich mich auch deshalb bei den Piraten so wohl, denn hier darf ich Nerd sein, muss es aber nicht.

DG: Was sind deine Gründe bei den Piraten dabei zu sein?

CG: Ich habe Freunde, mit denen ich meine politischen Ansichten schon seit Langem regelmäßig austausche. Und auch in meiner Familie ist Politik immer ein Thema gewesen. Das medial inszenierte Kasperle-Theater der Parteien war mir aber immer zuwider. Als ich dann von der Piratenpartei gehört habe, dass sie die Politik nicht nur inhaltlich, sondern auch strukturell verändern möchte, hat das natürlich sofort mein Interesse geweckt.

Geblieben bin ich aber wegen zweier Dinge: Zum Einen hat mich der offene Umgang miteinander und abseits der Sozialen Netzwerke auch der angenehme Ton gereizt, mich aktiv einzubringen. Vielen Parteimitgliedern war meine Meinung wichtig, einigen ist sie das offenbar noch immer, sonst würdest beispielsweise du mir jetzt nicht solche Fragen stellen.

Zum Anderen hat mich das positive Menschenbild überrascht. Den Menschen etwas zuzutrauen, ohne sie zu überfordern – das hatte ich in der politischen Debatte bis dahin vermisst.

Etwas überspitzt könnte man es so formulieren: Die Konservativen misstrauen den einfachen Menschen und wollen sie kontrollieren, damit die unterschiedlichen Schichten unter sich bleiben. Die Arbeiterführer unterscheiden nur Arbeitnehmer – die Guten –, Arbeitgeber – die Bösen – und Arbeitslose – die Unglücklichen. Glückliche Menschen gibt es da gar nicht. Die vermeintlichen Liberalen sind der Meinung, dass wenn jeder an sich denkt, ja auch an jeden gedacht sei. Und die Oberlehrer wollen alles verbieten, was auf anderem Wege auszuräumen oder zu verhindern ihnen zu schwierig ist. Tja, und dann sind da noch die Rechten. Die halten sich eben für etwas Besseres, weil sie zufällig als Kinder der richtigen Eltern im richtigen Land geboren wurden. – Alles Menschenbilder, die ich nie geteilt habe.

Und bei den Piraten hieß es dann: Gib dem Menschen alle wichtigen Informationen und die nötige Bildung zum Einordnen dieser Informationen, dann wird daraus Erkenntnis erwachsen. Wenn man den Menschen dann mitbestimmen lässt, wird diese Erkenntnis zu mehr sozialem Miteinander führen. Und mit den paar Soziopathen, die nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht sind, wird die Gesellschaft dann schon fertig. Natürlich wirkt das etwas holzschnittartig, aber ich glaube, so wird das Bild deutlich.

DG: Welche lokalpolitische Begebenheit bewegt dich aktuell am meisten?

CG: Emotional bewegt mich da nicht viel. Dazu lasse ich Dinge, die das am ehesten könnten, nicht nah genug an mich heran. Aber Ungerechtigkeit und das ungehinderte Ausüben von Macht gegenüber Schwächeren haben das größte Potential, mich aufzuregen. Und natürlich das Verdrehen von Fakten, das geht gar nicht!

Physisch auf Trab hält mich – und das ist kein Wortspiel – die Nahmobilität, denn zu diesem Thema finden derzeit viele interessante Veranstaltungen statt, die ich zwar nicht alle besuchen kann, mich aber doch sehr häufig an Orte führen, die ich vorher nicht kannte. Da tausche ich mich dann mit Menschen aus, die wirklich gute Ideen, tragfähige Konzepte oder belastbare Daten haben.

Und geistig verlangt die Ratsarbeit insgesamt eine enorme Beweglichkeit, denn das Spektrum der Themen ist sehr breit und die Tiefe im Detail enorm.

DG: Danke für das Interview.

Das Interview führte David Grade, Mitglied der Piratenpartei Dortmund und seid 2014 für die Piraten in der Bezirksvertretung Innenstadt-Nord.

Ein Kommentar

  1. 1

    Schöne Antworten …

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