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Nadja Reigl

Pirateninterview: Nadja Reigl

Hinter den Strukturen und Inhalten der Piratenpartei Dortmund stehen viele Menschen, die sie unterstützen, schaffen, weiterentwickeln und vermitteln. Einer dieser Menschen ist Nadja Reigl; Ratsfrau und Direktkandidatin im Wahlkreis Dortmund III.

David Grade (DG): Was möchtest du zu dir erzählen?

Nadja Reigl (NR): Als ich fast sieben war, wurde in Neuseeland die erste Rainbow Warrior versenkt; damals habe ich insgeheim beschlossen, wenn ich groß bin von Beruf Öko-Terroristin zu werden. Heute, mit 38 Jahren, lebe ich zusammen mit meinen beiden Kindern, zwei Katzen und einem Hund in Hörde. Ganz so radikal bin ich dann doch nicht geworden, aber die Idee, die Welt zu retten, habe ich nicht aufgegeben.

Bei den Piraten bin ich seit 2012, von 2013 bis Anfang 2017 habe ich im Kreisvorstand mitgemischt. Seit 2014 sitzen ich auch als eine von zwei Personen für die Piraten im Stadtrat und in der Hörder Bezirksvertretung.
Außerdem organisiere ich seit 2013 in Dortmund den Global Marijuana March und mache mich auch sonst für die Legalisierung von Cannabis stark. Im letzten Sommer war ich sogar als Rednerin auf der 20. Berliner Hanfparade eingeladen.

DG: Was sind deine Gründe bei den Piraten dabei zu sein?

NR: Am Anfang bin ich bei den Piraten gelandet, weil das Programm genau die Mischung aus Grünen, Linken und FDP war, die ich mir immer gewünscht hatte. Außerdem war ich begeistert, dass auch ich über das Internet einfach mitmachen konnte. Meine Kinder waren damals noch ziemlich klein und als alleinerziehende Mutter ohne Betreuungsmöglichkeiten in den Abendstunden waren Mailinglisten, Mumble-Sitzungen und Liquid Feedback-Abstimmungen für mich wirklich nötig, um aktiv teilhaben zu können.
Heute ist vieles davon ganz anders.

Aber es gibt noch immer Menschen da draußen, die auf uns – und manchmal auch ganz konkret auf mich – zählen. Darum bin ich heute noch dabei.

DG: Die Piraten haben den Ruf eine Nerdpartei zu sein. Was ist an dir nerdig?

NR: Ich bin mir gar nicht sicher, ob ich wirklich so nerdig bin, und was nerdig überhaupt noch bedeutet. Wenn Hippster Nerd-Brillen tragen, scheinen Nerds ja heute hipp zu sein.
Ich weiß nicht, ob ich nerdig bin.
Ich programmiere nichts, bin nur sehr selten schlecht angezogen und fühle mich auch nicht sozial isoliert.
Aber ich finde es cool, dass mein Schließfach im Rathaus die Nummer 42 hat. Ich verschicke Nachrichten, in denen nur „kleiner drei“ steht. Und ohne catcontent und Einhörner geht gar nix.

DG: Welche lokalpolitische Begebenheit bewegt dich aktuell am meisten?

NR: Im Gegensatz zu vielen anderen Städten gibt es in städtischen Einrichtungen wie Theater, Zoo und Schwimmbad in Dortmund nur Ermäßigungen für bedürftige Dortmunder – man muss nämlich einen Dortmund-Pass haben. In anderen Städten reicht ein Beleg, also z.B. auch der ALG II-Bescheid, um Ermäßigungen zu bekommen. Sogar die Stadtverwaltung hat bestätigt, dass diese Regelung, wie es sie in anderen Städten gibt, kaum mehr kosten würde. Der Rat hat meinen Antrag, allen bedürftigen Menschen mit Nachweis Ermäßigungen zu gewähren, aber abgelehnt – ohne auch nur einen Grund nennen zu können.
Und wenn Ratsvertreter, die vermutlich noch nie einen ALG II-Antrag ausgefüllt haben, so etwas entscheiden, bin ich echt nur noch angekotzt.

DG: Danke für das Interview.

Das Interview führte David Grade, Mitglied der Piratenpartei Dortmund und seid 2014 für die Piraten in der Bezirksvertretung Innenstadt-Nord.

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