Die Webseite der Piratenpartei Dortmund
Das Pressebild der Demo am Startpunkt

„Stop watching us!“ oder Demo mit Hindernissen

Am letzten Samstag hatten wir Dortmunder Piraten uns viel vorgenommen:
Neben einem Infostand in der Fußgängerzone von Hombruch und selbstverständlich einem weiteren Infostand auf dem Dortmunder CSD, hatten wir auch eine Demonstration zum Internationalen Tag der Privatsphäre (kurz IDP) angemeldet.

Doch halt! Warum eine IDP-Demo am 24.08., wenn dieser doch erst am 31.08. ist? Diese Entscheidung hat zu einigen Nachfragen geführt, hatte aber einen guten Grund:
Es war schon einige Monate vorher bekannt geworden, dass für den 31.08. wieder eine Aufmarsch der Neo-Nazis in Dortmund angemeldet worden war. Da war es für uns mehr als verständlich, dass zu diesem Zeitpunkt das Tragen von Guy-Fawkes-Masken von Seiten der Polizei nicht erlaubt werden würde. Außerdem wollten wir auch niemanden zu einer Entscheidung zwingen: Gegen Nazis demonstrieren oder für die eigene Privatsphäre?
Doch gerade nach dem Bekanntwerden von PRISM, Tempora und Co. wollten wir beim Thema Überwachung natürlich nicht schweigen und den Menschen zusammen mit Anonymous die Möglichkeit geben, gemeinsam ein Zeichen gegen die derartige Nutzung unserer Daten zu setzen.

So kam es also, dass wir am letzten Samstag gefühlt überall gleichzeitig waren, und die ersten von uns sich gegen 13 Uhr bei strahlendem Sonnenschein an der Kreuzung von Kampstraße und Katharinenstraße trafen.

Doch so ganz hold war uns das Glück an diesem Tage nicht…

Für den ersten Patzer war ich wohl selbst mitverantwortlich:
Da es im Vorfeld diverse Probleme bei der geplanten Finanzierung der Aktion gegeben hatte, war ich überzeugt, dass der Piratenbus nicht an der Demo teilnehmen sollte, und hatte erst relativ spät mitbekommen, dass dieser sehr wohl da sein sollte. Und bis ich endlich geklärt hatte, ob der Bus vielleicht schon anderweitig eingeplant war, war es zu spät, die Polizei darüber im Voraus zu informieren. Das konnte also erst vor Ort geklärt werden – sehr zum Missfallen des polizeilichen Einsatzleiters. Dieser bat darum, den Bus zumindest im Vorfeld einmal begutachten zu dürfen, was natürlich kein Problem war.

Der Bus hingegen war allerdings offenbar sehr wohl ein Problem und wurde von der Polizei nicht als Abschlussfahrzeug bei der Demonstration zugelassen. Und auch das extra aus Gelsenkirchen gekommene Piratomobil durfte erst nach einigen Gesprächen teilnehmen. Trotzdem waren wir ziemlich froh, den Bus vor Ort zu haben, da sich direkt ein neues Problem präsentierte: Die mobile Bühne, die für die Kundgebungen extra angemietet war, hatte unterwegs einen kleinen Unfall, und da der Fahrer natürlich keine Fahrerflucht begehen wollte, verzögerte sich deren Eintreffen erheblich, da der Vorfall zunächst der Polizei gemeldet werden und aufgenommen werden musste…
So kam der Bus dann doch zum Einsatz, da auf diesem zum Glück eine Anlage mit Verstärkern installiert war.

Mit reichlich Verspätung kamen unsere Redner also doch endlich zu Wort. Den Auftakt machte Marco Bülow (SPD, MdL), gefolgt von Michael Kauch (FDP, MdB), Ulrike Märkel (Grüne, Stadträtin) und Udo Vetter (Piratenpartei, Bundeskandidat). Außerdem hatten wir zur Auflockerung auch die Poetry-Slammer Andy Strauß und Sulaiman Masomi eingeladen.

Pünktlich nach diesen Ansprachen gab außerdem die Anlage auf dem Bus ihren Geist auf… Aber immerhin war dies auch der Zeitpunkt, zu dem unsere mobile Bühne endlich eintraf! Und nachdem auch die anwesenden Polizisten keine Demonstranten in der Menge mehr ausmachen konnten, die nicht nur eine Maske trugen, sondern vermummt waren, konnten wir endlich lautstark und mit orangen Trillerpfeifen bewaffnet von der Kampstraße über die Hansastraße, vom Wall auf die Kleppingstraße und von dort auf den Friedensplatz ziehen.

Dort angekommen hielten Dieter McDevitt (Piratenpartei), Melanie Kalkowski (Piratenpartei, NRW-Spitzenkandidatin), ein Vertreter von Anonymous und David Grade (Piratenpartei Dortmund, Vorsitzender) ihre Reden. Den Abschluss machte der Poetry-Slammer Jan Philipp Zymny, ehe die Versammlung dann von Dirk Pullem (Piratenpartei Dortmund, Vorsitzender) mit einem Verweis auf den nahegelegenen CSD aufgelöst wurde.

Und trotz all der kleinen Probleme, die uns zwischendurch ganz schön in Atem gehalten hatten, mussten wir ja dann doch zugeben, dass es alles in allem eine gelungene Veranstaltung gewesen war. Die ständig zunehmende Überwachung unseres Privatlebens ist ja schließlich auch ein Thema, das uns alle angeht. Dies spiegelten auch die Teilnehmer der Demo wieder: Dort waren Rentner ebenso vertreten wie Teenager und Eltern mit Kinderwagen.

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Freiheit statt Angst

Am 07.09. wird es eine weitere große Demonstration in Berlin gegen den Überwachungswahn geben. Und nicht zuletzt werden sicher auch die Ergebnisse der Bundestagswahl am 22.09. entscheiden, wie privat Privates in Zukunft sein wird…

Text © Nadja Reigl / Foto (CC BY-NC-SA 3.0 DE) Robert Rutkowski

4 Kommentare

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    Harald Franz

    Warum sind im Text die beiden Worte Piratenbus und Piratomobil durchgestrichen, obwohl doch nur der Pirtenbus nicht mitfahren durfte ?

    • Hallo Harald,

      ich benutze ein Tool, das fehlerhafte Links im Dashboard anzeigt. Wenn das Wiki mal kurzfristig down ist und die Links dann geprüft werden, zeigt er die fehlerhaften Links durchgestrichen an. Diese werden aber, sobald wieder erreichbar, zurückgesetzt.

      Gruß Robert

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