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Tanz der Zensoren

Heute, am 10.März wird in über 70 Kinos ein Film aufgeführt, der in Deutschland über dreißig Jahre verboten war; Tanz der Teufel von Sam Raimi.

Nach einigem hin und her verbot das Amtsgericht München 1985 den Film, weil er nicht nur gewaltverharmlosend sondern auch kein Kunstwerk  sei und ließ ihn beschlagnahmen. Später gestand das Landgericht München I ihm doch zu Kunstwerk zu sein, die Beschlagnahmung blieb aber bestehen. Wie der Tanz weiter ging lässt sich bei Wikipedia oder in dem Artikel  „Tanz der Teufel – eine Retrospektive“ nachlesen. Es geht darum ob der Film künstlerischen Wert habe, die Menschenwürde verletze und ob die fiktiv getöteten im Film Menschen, Zombies oder Dämonen seien.

Das alles führte dazu, dass ich schon mit zehn Jahren von dem Film erfuhr und er auf dem Schulhof zusammen mit Werken wie Muttertag und später Braindead als die legendären Streifen angesehen wurden, die jeder gesehen haben musste. – Vermutlich nicht das was die Zensoren beabsichtigten, aber die hatten vermutlich noch nie was Streisand-Effekt gehört.

Von mündigen Menschen, die sich selber einen Eindruck schaffen und ein Urteil bilden wollen und sollen haben Zensoren vermutlich auch noch nicht so viel gehört. Eine Bewertung für andere Menschen vorzunehmen mag ja noch angehen – (erwachsenen) Menschen vorzuenthalten sich ein eigenes „Bild“ zu machen und sich so eine fundierte Meinung zu bilden geht nicht. Das ist weder mit dem Gedanken von Demokratie, noch mit Selbstverantwortung, noch mit Freiheit der Kunst vereinbar. Wenn mensch das ganz groß aufhängen will (und das will ich), dann greift er zu Kant. „Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen seinen Verstand ohne Leitung eines anderen zu gebrauchen.“ Und jemandem vorzuschreiben was er sehen, hören, riechen, fühlen darf und was nicht, ist nichts anderes als ein Leitungsversuch. Eine künstliche Beschränkung dessen was wir wahrnehmen und damit Antiaufklärerisch.

Glücklicherweise gab und gibt es Menschen, die sich gegen alle Arten der Zensur wehren, ganz vorne die Piratenpartei, die ja mit der Zensursula-Kampagne Bekanntheit erreichte. Erfolgreich wehrte sie Netzsperren ab. Und machte klar, dass wirklich illegale Inhalte gelöscht gehören und nicht gesperrt – was Willkür Tür und Tor geöffnet hätte und außerdem technisch kaum umsetzbar wäre. Wie willkürlich vorgegangen wird zeigt zum Beispiel die Liste der an kirchlichen Feiertagen verbotenen Filme, die die Piraten 2016 veröffentlichten: https://www.piratenpartei.de/2016/01/17/feiertagszensur-von-filmen-piratenpartei-stellt-schwarze-liste-ins-netz/

Piraten kämpfen weiter gegen Zensur. Auch weil wir alle erlebt haben, dass nach teilweise wenigen Jahren Zensurentscheidungen revidiert werden (gerade bei Computerspielen), weil selbst konservative Möchtegernverstandeslenker die damaligen Entscheidungen für lächerlich halten. Und weil niemand für andere entscheiden darf was Kunst ist und was nicht.

Tanz der Teufel zum Beispiel hatte einen riesigen Einfluss auf das Horrorgenre, ich sage nur Kamerafahrten. Einen Einfluss den es so nie gegeben hätte, hätten sich Zensoren weltweit durchgesetzt.

Der Inhalt der Artikel gibt die Meinungen der einzelnen Autoren wieder und ist keine offizielle Verlautbarung der Piratenpartei.

Text von David Grade aka @gradewegs

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